ADRA Deutschland – Ostafrika-Blog

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Große Freude bei den Massai-Frauen

– Erfolgreicher Abschluss des Massai Ofen- und Solarprojekts –

Ein Bericht der ADRA Freiwilligen Charlene Dems vom 13.04.2016 aus Tansania

Es herrscht große Freude bei den Massai-Frauen in Meserani, im Norden Tansanias. Mit Tanz und Gesang feiern die Frauen den Abschluss der erfolgreichen Ofen- und Solarinstallationen. Alle 15 Trainerinnen und 45 geschulten Frauen für den Ofenbau wurden aus den drei begünstigten Dörfern eingeladen. Ebenso nahmen auch örtliche Regierungsvorsitzende an der Feier teil und es gab einen abschließenden Austausch. ADRA konnte durch das Projekt die Massai-Community gesundheitlich und wirtschaftlich unterstützen und die begünstigten Familien sind sehr dankbar für die positiven Veränderungen in ihrem alltäglichen Leben.

Ende Februar 2016 war es endlich soweit: 300 Haushalte sind nun mit energiesparenden Öfen und Solarsystemen ausgestattet. Jedes Solarsystem ist direkt nach dem Einbau einsatzbereit, die Öfen mussten je eine Woche lang zur Aushärtung bewässert werden und konnten dann genutzt werden. Nicht nur in den traditionellen Hütten und Häusern wurden die Lampen des Solarsystems als Beleuchtung angebracht, sondern auch außerhalb als Sicherheitslicht. Zudem können mobile Geräte aufgeladen werden, die für die Massai als Kommunikationsmittel sehr wichtig sind. Das Nutzen von Handys ist hier vergleichsweise sehr günstig. Festnetz existiert in der ländlichen Umgebung überhaupt nicht und auch vom Stromnetz sind sie weitestgehend ausgeschlossen.

Zu den besonders Begünstigten zählen Frauen und Kinder. Denn sie verbringen die meiste Zeit in den Hütten, während die Männer oft unterwegs sind. Die Massai-Frauen können nun ohne Rauchentwicklung kochen und ihre Kinder ohne Gefahr in der Küche spielen. Gesundheitlich stellten die Begünstigten bereits große Veränderungen fest. Brennende Augen und Reizhusten traten nicht mehr auf, seitdem sie die Ofenkonstruktion in ihrer Hütte nutzen. Der Rauch durch die Verbrennung des Brennmaterials zieht durch den Schornstein nach außen ab. Auch die Erleichterung des Alltags durch den geringen Feuerholzverbrauch bringt den Frauen neue Erwerbs- möglichkeiten wie zum Beispiel das Anbauen von Gemüse.

Eine Begünstigte in Meserani zeigt uns ihren Vorrat an Brennmaterial. Der Brennholzverbrauch konnte halbiert werden: Zum Einen ist der Ofen energiesparender, zum anderen kann sie auch Kuhdung verwenden. So wird die Umwelt geschont und die Bäume fangen zudem Wind und Staub ab und halten die Umgebung kühler.

Mehrfach begünstigt sind die Installateurinnen. Durch das Projekt wurde ihre Stellung als Frau in der Massai-Community zusätzlich gestärkt. Sie bauten nicht nur bei sich und anderen ihrer Gemeinschaft ein Ofen- und Solarsystem ein, sondern erhielten auch für jede Konstruktion ein Entgelt. Dieses konnten sie sich ansparen oder für die Schulbildung ihrer Kinder und zum Einkauf wichtiger Lebens- und Hygienemittel einsetzen. Für die Zukunft wünschen sich die geschulten Frauen weitere Projekte, sodass noch mehr Menschen diese Vorteile zugutekommen und sie ihr neu erworbenes Wissen weiter einbringen können.

Begünstigte Küchenbesitzerin des neuen Ofensystems (li.) und Installateurinnen

Begünstigte Küchenbesitzerin des neuen Ofensystems (li.) und Installateurinnen

Massai-Frauen auf der Baustelle

– Wie das Ofen- und Solarprojekt den Alltag verändert –

Ein Bericht der ADRA Freiwilligen Charlene Dems vom 03.11.2015 aus Tansania, Monduli

In Meserani, einem Massaidorf im Norden Tansanias, treffe ich als Freiwillige persönlich auf die engagierten Mitarbeiterinnen des Massai Ofen- und Solar-Projekts und tausche mich mit ihnen aus. Es herrscht eine fröhlich ausgelassene Stimmung unter den Massai-Frauen und sie erzählen gerne von ihrer Arbeit, den täglichen Veränderungen und welche Auswirkung das Projekt auf sie und ihre Familie hat. Es ist Anfang November und sie haben schon mehrere Monate Erfahrung im Aufbau der Ofen- und Solarsysteme gesammelt. Zwar kommt es manchmal zu Verständnisschwierigkeiten während des Gesprächs auf Englisch, Swahili und Maa die Sprache der Massai -, jedoch steht uns unsere lokale ADRA-Mitarbeiterin – selbst eine Massai – immer zur Verfügung.

Tansania-Ofenprojekt

Die junge Neema (rechts im Bild) berichtet von den ersten Treffen mit ADRA: „Als wir die geschlossenen Öfen in anderen Massai-Hütten gesehen haben, waren wir überzeugt! Der ganze Rauch, der sich beim Kochen immer in der Hütte sammelte, war einfach nicht mehr da! Das heißt, es würde keine brennenden Augen und Atemwegserkrankungen mehr geben! Außerdem müssten wir durch den geringen Brennholzverbrauch der neuen Ofensysteme nicht mehr täglich die weiten Strecken zum Holzsammeln zurücklegen. Auch Kuhdung funktioniert als Brennstoff, von dem wir genügend zur Verfügung haben. Einige von uns wollten nicht nur so einen Ofen haben, sondern auch konkret mitarbeiten.“

Traditioneller „3-Steine-Ofen“

Zirkulationssystem führt den Rauch nach draußenZirkulationssystem führt den Rauch nach draußen

Tansania-Ofenprojekt
Tansania-Ofenprojekt
Neben Aufklärungsarbeit über Gesundheit und Umweltschutz führte ADRA Trainings durch, in denen einige Frauen den Aufbau der Ofen- und Solarsysteme erlernten. Nun können die neuen Installateurinnen vor Ort selbst die Systeme aufbauen und erhalten sogar ein Gehalt. Dieses wird zeitweise mit Unterstützung von ADRA und mit Hilfe der kleinen Beiträge der Begünstigten, die ein solches System erhalten, finanziert.

„Wir Installateurinnen sind zwischen 20 und 50 Jahre alt, denn die Arbeit auf der Baustelle ist leicht. Bei unserem Stamm, den Massai, sind wir Frauen für den Häuserbau zuständig. Unsere Männer sind meist mit den Rinderherden unterwegs und sind froh, dass wir jetzt auch etwas zu unserem Einkommen beisteuern können. Sie unterstützen uns und sehen nicht nur die gesundheitlichen Vorteile des Ofens, sondern auch des Solarsystems. Wir können Handys aufladen, haben mehr Licht abends in der Hütte und brauchen nicht mehr die teuren Petroleumlampen zu kaufen.“

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Petroleumlampen

Solarsystem

Solarsystem

Auch die Motivation einer anderen Frauen-Gruppe im nahegelegenen Dorf Mbuyuni ist sehr hoch: „Wir bauen nicht nur unsere eigenen Öfen, sondern auch für das ganze Dorf. Damit unterstüzen wir unsere Gemeinschaft ein gesünderes und arbeitserleichterndes Leben zu führen. Außerdem können wir unser kleines Einkommen ansparen, welches wir für besondere Anschaffungen und die Schulbildung unserer Kinder verwenden können“, berichtet Naishipai (links im Bild). Hier wurde sogar von der Besitzerin extra eine ganz neue Küche errichtet, in die das geschlossene Ofensystem kommen soll.

Tansania-Ofenprojekt

Tansania-Ofenprojekt
Die benötigten Materialien für den Aufbau des Ofens wie Sand, Zement, geschweißte Abzugsrohre und Metallplatten erhalten die Frauen an einer zentralen Stelle im Dorf, welche sie mit Eseln zu den Hütten bringen. Naishipai ist begeistert von ihrer Arbeit: Für mich ist es jedes Mal spannend, da jede Hütte anders ist. Es gibt hohe und niedrige Decken, Stroh- und Holzkonstruktionen sowie Wellblechdächer. Die größte Herausforderung beim ganzen Aufbau ist der Übergang am Dach. Vor allem bei dem Wellblechdach ist es schwierig, das Loch genau richtig zuzuschneiden und die Ziegelsteine des Schornsteins am Blech anzubringen.“

Tansania-Ofenprojekt

Tansania-Ofenprojekt
Der Bau des Ofensystems an sich geht schnell: Nach 2 bis 3 Stunden ist ein Ofensystem fertig. Bevor die Eigetümerin den Ofen jedoch benutzen kann, bewässert sie ihn noch eine Woche lang, sodass er stabil und haltbar wird. Auch die Installation des Solarsystems ist schnell getan. Nach wenigen Minuten ist alles angebracht und zum Test bereit.

Nach getaner Arbeit ist Naishipai glücklich: Wir freuen uns über jeden neu errichteten Ofen und sind froh, unseren Mitmenschen dank ADRAs Unterstützung geholfen zu haben. Es ist schön, von nun an gesünder zu leben und das Projekt hat unseren Alltag sehr erleichtert!“

Mich berühren diese Gespräche sehr und ich hoffe als Freiwillige noch mehr solcher Erfahrungen in meinem Auslandsjahr zu erleben.

Tansania-Ofenprojekt

Massai-Frau Sinyati kann wieder hoffen

– Mit neuem Ofensystem in eine gesündere und umweltfreundliche Zukunft –

Ein Bericht von Charlene Dems, Freiwillige in Tansania, Monduli vom 05.10.2015

Nach drei Stunden staubiger Fahrt erreichen wir endlich das entlegene Massai-Dorf Mungere im Norden Tansanias. Wir als ADRA-Team sehen schon beim Aussteigen die fertigen Schornsteine aus den traditionellen Hütten ragen. Sinyati Natupunya, eine 33-jährige Massai-Frau, kommt uns entgegen, berichtet uns wie sie die Öfen mit Abzug selbst mit installiert hat und zeigt uns auch die Hütte mit dem halbfertigen Ofensystem, welches sie gerade installieren.

ADRA unterstützt das Massai Ofen- und Solarprojekt und verhilft dadurch vor allem Frauen und Kindern zu einer gesünderen, umweltschonenden und arbeitserleichternden Lebensweise. Mit Aufklärungsarbeit über Gesundheit und Umwelt konnte ADRA unter der Massai-Bevölkerung auf das Projekt aufmerksam machen und Frauen für die Installation der Ofen- und Solarsysteme gewinnen, die durch Trainings geschult wurden. Massai-Frauen deshalb, weil sie in ihrer Kultur für den Häuserbau, die Kinder und den Haushalt und somit auch für das Kochen zuständig sind. Selten sind die Ehemänner zuhause, da sie mit ihren Tierherden oft wochenlang unterwegs sind. Begünstigte des Projekts zahlen einen geringen Beitrag dafür, der wiederum den Installateurinnen zugutekommt. Wie das neue Ofensystem ihr Leben und das ihrer Familie verändert hat, will Sinyati uns in ihrer Hütte, in der sie mit ihren vier Kindern lebt, erzählen.

Massai Ofen- und Solarprojekt, Hilfsprojekt in Tansania

Massai Ofen- und Solarprojekt, Hilfsprojekt in Tansania

Bevor ich diesen Ofen hier hatte, kochte ich auf offenem Feuer – genau an der gleichen Stelle in der Hütte. Meine Kinder und ich waren dem Qualm ungeschützt ausgesetzt. Unsere Augen brannten und immer wieder hatten wir Hustenanfälle.“ Ein Blick nach oben an die verkohlte Decke zeigt mir, wie sich der hochgiftige Ruß abgesetzt hat. Das giftige Kohlenmonoxid, welches bei der Holzverbrennung entsteht, konnte in dem engen Raum ohne Fenster nicht entweichen und führte zu erheblichen Gesundheitsproblemen der Kinder und Frauen.

Als Sinyati zu Beginn des Jahres durch ADRA von dem neuen Ofensystem mit Abzug erfuhr, dass den Rauch nach außen abführt, war sie begeistert: Ich wollte nicht nur eine der Frauen sein, bei der solch ein Ofen eingebaut wird, sondern auch konkret mitarbeiten. So wurde ich eine der Installateurinnen und erhalte sogar ein Gehalt pro eingebauten Ofen. Durch den angesparten Lohn konnte ich mir auch einen solchen leisten und habe ihn selbst mit aufgebaut.“ Ein Monat ist er nun alt und hat viele Vorteile in die Familie gebracht.

Die neuen Kochstellen sind sehr energiesparend: Für die etwa 10 km lange Strecke, um Feuerholz sammeln zu gehen, braucht Sinyati auf dem unwegsamen Gelände 5 bis 6 Stunden. Anstatt jeden Tag diesen Weg zurückzulegen, muss sie jetzt nur noch einmal in der Woche gehen. Außerdem ist der neue Ofen besser für die Verbrennung von Kuhdung geeignet, verringert so den Brennholzverbrauch und schont dadurch die Umwelt.

Mit der gewonnen Zeit konnte ich mir ein kleines Feld anlegen, auf dem ich Gemüse anbaue. Mein Mann ist Viehhalter wie die meisten Massai und hat nur wenig Geld, das er mir für Lebensmittel geben kann. Auch er sieht die konkreten Verbesserungen. Wir sind allgemein gesünder geworden, da kein Rauch mehr in der Hütte ist und mein Alltag wurde sehr erleichtert auf Grund des geringen Feuerholzverbrauchs. Durch meine Arbeit als Installateurin haben wir jetzt ein zusätzliches Einkommen und ich kann das Geld in die Schulbildung meiner Kinder investieren sowie mir auch Dinge wie Seife und Zucker leisten. Außerdem ist der neue Ofen auch für die Kinder praktischer. Es besteht keine Verbrennungsgefahr mehr wie bei dem offenen Feuer, da der neue Ofen außen kalt ist.

Massai Ofen- und Solarprojekt, Hilfsprojekt in Tansania

Wir machen uns gemeinsam wieder auf zur Baustelle. Die Kinder aus dem Dorf, die geduldig vor der Hütte auf uns gewartet hatten, begleiten uns und positionieren sich vor meiner Kamera, als ich ein Foto machen will. Die vier anderen Installateurinnen sind fleißig dabei, die Ofenkonstruktion zu vollenden. Sinyati packt auch nochmal kräftig mit an. Jetzt fehlt nur noch das Solarsystem. Auch dieses ist Teil des Projekts und besteht aus einer Solarzelle, die auf dem Strohdach montiert wird, und aus mehreren Lichtelementen sowie auch verschiedenen Anschlüssen, um mobile Geräte aufzuladen. Denn Petroleumlampen sind nicht nur gesundheitsschädlich, sondern auch teuer und für einige Massai unmöglich zu finanzieren.

Massai Ofen- und Solarprojekt, Hilfsprojekt in Tansania

Massai Ofen- und Solarprojekt, Hilfsprojekt in TansaniaMassai Ofen- und Solarprojekt, Hilfsprojekt in TansaniaMassai Ofen- und Solarprojekt, Hilfsprojekt in Tansania

Für die Zukunft wünscht sich Sinyati auch eine Solarzelle. Jedoch muss sie noch etwas geduldig sein, bis sie den Beitrag zusammen gespart hat und das Solarsystem in ihre Hütte montieren kann. Dann wird es in ihrer Hütte viel heller sein und ihre Kinder können ohne Probleme Hausaufgaben machen. Mit Hilfe der Unterstützung von ADRA ist der Lebensstandard der Massai gestiegen und sie können nun in eine bessere und gesündere Zukunft für sich und ihre Kinder blicken.

Massai Ofen- und Solarprojekt, Hilfsprojekt in Tansania